Bergsteigerfriedhof

In den Anfängen des Bergsportes im Gesäuse mangelte es an geeigneter Ausrüstung, aber auch an entsprechender Ausbildung und Erfahrung der Bergsteiger. Bei den vielen Erstbegehungen und Varianten führten die Wege meist ins Unbekannte. Dazu kamen die Wetterunbilden wie Gewitter, Blitzschlag, Hitze, Schneefall, Vereisung u.a., woraus Steinschlag, Erfrierung, Erschöpfung u.a. resultieren. Dadurch endete manch freudig begonnene Berg- oder Klettertour auf tragische Art und Weise.

Es fehlte dann meist an geeigneten Transportmitteln und auch an nötigem Geld, um abgestürzte Bergsteiger in ihre Heimatorte zu bringen, so wurden sie auf dem Friedhof in Johnsbach beigesetzt. Der vordere Teil des kleinen Friedhofes ist für örtliche Bewohner bestimmt, der rückwärtige den Bergsteigern zugedacht. Die kurzen Inschriften auf den hölzernen, eisernen oder steinernen Grabmalen drücken die ganze Tragik aus, die ein tödlicher Absturz, ein Steinschlag oder Blitzschlag für meist junge Menschen mit großen Idealen zur Folge hatte. Studenten, Akademiker, Adelige, Künstler, Väter und Kinder in meist hoffnungsvollstem Alter liegen hier, in ihren Leistungen sehr bewundert, in ihrem Schicksal oft beweint.

Die Zahl der Bergtoten seit dem Absturz von J. Herzmann und A. Kupfer vom Totenköpfl-Südgrat im Jahre 1885 stieg rasch an, ihre Namen wurden zeitlich genau registriert. 1958 errichtete die "Gesellschaft der alpinen Vereine Österreichs" unter Vorsitz des bekannten Bergsteigers Dr. Karl Prusik für die Bergtoten im Gesäuse (damals schon 296!) eine Gedächtnisstätte mit Arkaden und großen Schrifttafeln. Die Weihe vollzog damals Abt Kolomann Holzinger vom Stift Admont, die Gedenkrede hielt Dr. Friedrich Niederl (später Landeshaupmann von Steiermarkt 1972 - 80).

Obwohl tödlich verunglückte Bergsteiger seit geraumer Zeit meist schon in ihren Heimatorten beigesetzt werden, regte Pfarrer P. Wilhelm Beer von Johnsbach die Instandsetzung des Bergsteigerfriedhofes unermüdlich an, bis die Männer des Bergrettungsdienstes Gesäuse sich dranmachten, in vielen Monaten (867 Stunden) uneigennützig Mauer, Gräber, Abdeckungen und die Gedächtnisstätte zu renovieren. Zahlreiche Beiträge und Materialspenden von Firmen unterstützen dieses Vorhaben. Statt der teils schon durch Feuchtigkeit beeinträchtigten Schrifttafeln hatte man ein neues Kupferehrenbuch angelegt, in das die bisher 410 Namen der Bergtoten aus dem Gesäuse und den Haller-Mauern graviert wurden. Am 12.7.1981 weihte Abt Benedikt Schlömicher vom Stift Admont die gänzlich überholte Anlage. Er schloß mit dem Spruch:

"Willst du die Liebe Gottes sehen,
so bleibe vor dem Kreuze stehen.
Willst du die Allmacht Gottes sehen,
so mußt du in die Berge gehen".

 

Eine Reihe prominenter Vertreter von Vereinen, Ämtern und Behörden, aber auch viele Angehörige hier bestatteter Bergsteiger aus dem In- und Ausland waren zugegen und viele Teilnehmer aus der nähren und weiteren Umgebung waren gekommen, um den Toten ihre Ehre zu erweisen.

Der Bergfriedhof von Johnsbach ist keine "Touristenattraktion", er ist ein Gottesacker, von einer wunderbaren, aber ernsten Bergkulisse umrahmt. Tausende Menschen aus aller Welt besuchen diesen Friedhof inmitten einer gerne geschauten Welt, empfinden als Lebende und gedenken der Toten an einer Stätte trauriger Berühmtheit!
Die Zahl der Bergtoten hat sich bis 10/1994 auf 484 erhöht.

Der Text stammt aus dem Buch: Johnsbach von der Knappensiedlung zum Friedhof (1999) - verfasst von H. Walter


Bergsteigerfriedhof - Gasthof zum Donner
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